Tatreez: Stickereien aus Palästina

Die Stickerei, auch „Tatreez“ bezeichnet, ist eine kulturelle Tradition im Gebiet der Levante, die seit Jahrhunderten besteht und von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Frauen kommen zusammen, um verschiedene Arten von Stickereien auf Kleidern, Kopftüchern, Taschen, Geldbörsen u.v.m. herzustellen. Diese Tradition hat für die Frauen sowohl kulturelle als auch wirtschaftliche Bedeutung.

Die Stickereien bekommt Fokus Nahost über den Verein „Women of the Sun“. Er wurde 2021 in Bethlehem gegründet und setzt sich dafür ein, Frauen zu stärken.

Das Logo ihres Vereins zeigt den Sonnenaufgang. Die Frauen sehen ihn als Symbol für Kraft und Widerstand gegen die Härten ihres Alltags. Sie wollen die Hoffnung für eine friedliche Zukunft nicht aufgeben. Women of the Sun arbeitet im Westjordanland und in Gaza.

Das ist Hayat Al-Kurd:

Ich komme aus dem Aida-Flüchtlingslager in Bethlehem. Ich habe das Sticken ab der sechsten Klasse in der Schule gelernt und praktiziere es seit Jahren. Ich liebe alle Formen des Stickens. Ich sticke, um Lebensmittel und Medikamente kaufen zu können. Das ist vor allem nötig, seit mein Mann arbeitslos wurde.“

Viele palästinensische Frauen sind finanziell von der Stickerei abhängig, wollen mit ihrer Kunst aber auch eine Botschaft vermitteln.

Dazu sagt Hiyam, 60 Jahre alt:

„Ich habe das Sticken von meiner Mutter gelernt, als ich 14 Jahre alt war. Das Sticken hilft mir, mit meinem Erbe und meiner Identität als Palästinenserin in   Verbindung zu bleiben.“
Dazu das 6. Bild, das ich anhänge.

Tatreez ist eine kulturelle Kunstform. Jeder Faden erzählt die Geschichte einer Frau, die inmitten von Not stark geblieben ist. Palästinensische Frauen sagen von sich, dass sie nicht darauf warten, dass die Hoffnung zu ihnen kommt. Sie tragen sie in sich.

Die Palästinenser*innen leiden seit 1967 unter israelischer Besatzung. Seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Krieg kämpfen die Menschen in Gaza ums Überleben.

Sie haben Zehntausende Tote zu beklagen, den Verlust ihrer Häuser und ihres Eigentums. Sie haben keinen Zugang zu medizinischer Hilfe, zu Bildung, zu ausreichend Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und einer Unterkunft. Die Menschen können den Gazastreifen nicht verlassen.

Im Westjordanland haben viele Palästinenser*innen nach dem 7. Oktober 2023 ihre Arbeitsplätze in Israel verloren. Ihre Bewegungsfreiheit wird durch weitere, neue Checkpoints immer mehr eingeschränkt. Sie müssen Razzien durch das Militär ertragen, Enteignungen und die ausufernde Siedlergewalt. Inmitten dieser Not sind Frauen oft die Stütze ihrer Familien, weil sie an der Hoffnung festhalten.